Smartphone, Computer und Co – Fluch oder Segen für unsere Kinder?

von 14. August 2019 Allgemein

Katrin Laban ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –Psychotherapie. Am 21. August spricht sie ab 17:30 im Städtischen Klinikum Görlitz über die Gefahren der frühen Nutzung von Mobilgeräten für Kinder.

Frau Laban, machen Smartphones unsere Kinder krank?

Nachgewiesen ist, dass langes Starren auf den kleinen Bildschirm im frühen Kindesalter das Wachstum  des Augapfels verändert. Er wird länger und das führt zu Kurzsichtigkeit. Eine weitere Studie hat ergeben, dass bei täglicher Smartphonenutzung Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität drohen. Bei mehr als einer halben Stunde Beschäftigung mit dem Smartphone bei 8 bis 13-Jährigen ist das Risiko von Konzentrationsstörungen sechs Mal höher als üblich. Außerdem drohen der Verlust klassischer sozialer Kommunikationskompetenzen, wenn sich die Kinder nur noch in Chats miteinander austauschen sowie die Gefahr von Abhängigkeit, Schlafstörungen, Bewegungsmangel und Mobbing.

Das klingt ja fürchterlich. Sie sind selbst Mutter. Haben Ihre Kinder Smartphones?

(schmunzelt) Ja. Eltern können bei der Entscheidung für oder gegen ein Smartphone für den Nachwuchs ganz schön in die Zwickmühle geraten. Einerseits kennt man die Gefahren. Andererseits will man nicht, dass sein Kind ausgeschlossen wird. Es kommt hier darauf an, dass die Eltern die Nutzung der mobilen Endgeräte regulieren. Am besten gemeinsam mit dem Kind.

Ab wann ist die Nutzung denn ok für Kinder?

Grundsätzlich muss man sagen, dass es noch viel zu wenige vor allem Langzeitstudien zur Auswirkung der frühen Nutzung von Mobilgeräten gibt, dazu gibt es sie schlichtweg noch nicht lange genug. Dennoch empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, dass Kinder vor dem 12. Geburtstag kein Smartphone bekommen sollten. Es ist vielleicht eine gute Orientierung. Aber egal wie sich die Eltern entscheiden, sie können selbst viel dazu beitragen, die Gefahren zu mildern.

Was können Eltern dafür tun?

Zum einen sollten sie klare Regeln festlegen, wie eine begrenzte Nutzungsdauer. Das Handy sollte mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen ausgemacht werden. Idealerweise bleibt das Gerät über Nacht im Wohn- statt im Kinderzimmer. Wenn Kinder mit elf, zwölf Jahren Regeln zur Nutzung anerkennen, weil sie gemeinsam festgelegt wurden, dann ist die Chance größer, auch pubertäre Phasen zu überstehen. Besonders in der Pubertät ziehen sich viele Jugendliche zurück und hängen nur noch vor dem Smartphone oder Tablet. Wenn Eltern erst dann anfangen, Regeln festzulegen, haben sie meist keine Chance mehr.

Vielleicht könnten Eltern und Kinder darüber sogar einen Vertrag abschließen?

Ein Vertrag über die Nutzung und die Grenzen ist sicherlich eine gute Idee. Und reden! Eltern sollten ihre Kinder über die Gefahren im Netz aufklären und die Kinder ermutigen, mit ihren Eltern über Dinge im Klassenchat zu sprechen, die sie merkwürdig finden. Auf einer guten, vertrauensvollen Basis können Eltern auch bei Klassenchats mitlesen, um sie zum Beispiel vor Mobbing zu schützen.

Viele Eltern sind aber selbst schlechte Vorbilder bei der Smartphone-Nutzung.

Das stimmt leider. Auch für die Erwachsenen ist die Faszination dieser Geräte noch immer sehr groß, viele zeigen ein Suchtverhalten. Es ist jedoch fatal, vorzuleben, dass man ständig auf das Smartphone schauen muss, selbst beim Autofahren. Es verhält sich hier wie bei allen anderen Dingen in der Erziehung auch. Kinder lernen, was Eltern ihnen vorleben. Die Verantwortung der Eltern bei der Medienerziehung wird leider von vielen Eltern selbst unterschätzt.

Was ist aus Ihrer Sicht und Erfahrung in der Klinik das größte Problem an Smartphone und co?

Eine unkontrollierte und intensive Nutzung im frühen Kindesalter führt zu Entwicklungsveränderungen. Sowohl in der Gesundheit (Kurzsichtigkeit, Suchtgefahr) als auch im sozialen Verhalten. Es kommen einerseits Kompetenzen hinzu, nämlich mediale. Zum anderen besteht die Gefahr des Verlustes sozialer Kompetenzen, nämlich den direkten und zwischenmenschlichen. Wir erleben in der Klinik viele Kinder und Jugendliche, die stark mit Mobbing über die sozialen Netzwerke konfrontiert sind. Das wirkt sich auf das ganze Leben und ihr Selbstbewusstsein aus. Smartphone, Computer und Co gehören in der heutigen Zeit dazu, Kinder sollten aber auf keinen Fall diesen Geräten selbst überlassen werden.

 

Am 21. August 2019 hält Katrin Laban zu diesem Thema einen Vortrag im Klinikum für alle Interessierte. Beginn: 17:30 Uhr im Konferenzzentrum. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

Katja Pietsch

Autor Katja Pietsch

Ich bin Katja Pietsch. Als Pressesprecherin und Leiterin der Unternehmenskommunikation des Klinikums habe ich schon von Berufs wegen eine Menge mit Kommunikation zu tun. Glücklicherweise ist das aber auch meine Leidenschaft ;-). In meiner Freizeit skate ich gerne um den See.

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