“Ein guter Brustchirurg behandelt nicht ‘bloß’ ein Organ, sondern den ganzen Menschen”

von 3. August 2018Allgemein, Mitarbeiter

Dr. Steffen Handstein steht seit Jahren auf der Focus Liste der Top-Ärzte in Deutschland. Wir haben ihn gefragt, was ihm das bedeutet, was einen guten Brustchirurgen ausmacht, wie wichtig Qualitätssicherung ist und wie die Zukunft in der Brustkrebsbehandlung aussieht.

Herr Dr. Handstein. Der Focus hat Sie zum sechsten Mal auf die Liste der Top-Ärzte in Sachen Brustchirurgie in Deutschland gesetzt. Sind Sie stolz?

Qualität ist seine Aufgabe. Dr. Steffen Handstein, Chefarzt Städtisches Klinikum Görlitz

Ich definiere mich persönlich nicht über so eine Auszeichnung. Aber auf einer durchaus objektiven Ebene ist dies eine Form der Wertschätzung eines ganzen Systems: der Ärzte meiner Klinik und Praxis sowie des Brustzentrums und aller beteiligten Mitarbeiter/innen. Diese Bewertung zeigt, dass die Patientinnen sich gut aufgehoben fühlen und die Kollegen wissen, dass sie in uns einen Partner haben, der ihre Patientinnen und Patienten sehr gut behandelt. Unsere jahrelange intensive Arbeit, Qualität zu entwickeln und hoch anzubinden, wird durch so etwas wie die Focus Liste offenbar weit überregional sogar bundesweit wahrgenommen.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Brustchirurgen aus?

Ein guter Brustchirurg weiß, dass er nicht bloß ein Organ, sondern den ganzen Menschen behandelt. Es geht immer um die Frau (oder den Mann) mit allen Erwartungshaltungen, Ängsten, Wünschen, dem persönlichen und beruflichen Umfeld. Uns Chirurgen steht eine außerordentlich breite Palette an Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Wir vereinen im Mammazentrum im Klinikum alle an der Therapie beteiligten Fachbereiche und Berufsgruppen. So können wir schnell, kompetent und unkompliziert auf höchstem aktuellen Niveau der Therapie zusammenarbeiten. Wir verfügen über alle Möglichkeiten der modernen Diagnostik und Therapie und bieten das gesamte Behandlungsspektrum der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie an. Das sind beste und selbst deutschlandweit, jedenfalls weit überregional nahezu einzigartige Voraussetzungen. Diese nützen jedoch nur, wenn wir die Patientinnen in ihrer ganzen Individualität sehen, deren Behandlung danach ausrichten und die Patientinnen und Patienten stets in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen.

Ein besonderer Schwerpunkt Ihrer Arbeit ist die Qualitätssicherung. Sie setzen sich seit Jahren für eine hohe Qualität in der Brustkrebsbehandlung und der plastisch-ästhetischen Chirurgie ein. Sie sind seit über 16 Jahren in der Bundesfachgruppe „Mammachirurgie“ und als Vorstandsmitglied der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen tätig. Vor kurzem wurden Sie in eine weitere, also die bundesweite „Kommission zur Klärung von fachlichen Auffälligkeiten“ im Rahmen der Qualitätssicherung Mammachirurgie berufen. Was bewegt Sie zu all diesen zusätzlichen Aufgaben?

Meine Aufgabe in diesen Gremien ist es, auf der Basis von politischen Vorgaben die Qualitätskriterien mit zu entwickeln, zu prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen abzuleiten, damit die Patientenversorgung bundesweit verbessert wird. Genau das ist auch mein Beweggrund: eine optimale Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Brust(krebs)erkrankungen in Deutschland. Natürlich hat das ebenso Auswirkungen auf meine Arbeit vor Ort in unserem Mammazentrum. Wir können viel schneller auf kommende Entwicklungen reagieren und unsere Prozesse dahingehend anpassen.

Als Patient/Patientin sollte man doch heutzutage bei all den medizinischen Fortschritten davon ausgehen können, bei Ärzten in guten Händen zu sein. Wo gibt es hier Handlungsbedarf bzw. woran erkenne ich als Patient, dass ich wirklich eine qualitativ hochwertige Behandlung erhalte?

Es gibt für die Behandlung von Brustkrebs strenge Vorgaben, in Deutschland die sog. S-3-Leitlinien. Diese werden laufend von Experten der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Senologie überarbeitet und bilden die Grundlage für die Arbeit eines Brustzentrums. Jeder Klinik steht es frei, prüfen zu lassen, ob es nach diesen strengen Vorgaben, das sind über 350 Kriterien, arbeitet. Besteht das Brustzentrum diese Prüfung, was im Übrigen jährlich wiederholt wird, erhält es ein Zertifikat und damit eine explizite Empfehlung der Fachgesellschaften. Gegenwärtig sind ca. ein Viertel der Krankenhäuser, die Brustkrebs behandeln, mit einem solchen Zertifikat ausgestattet. Letzteres bietet den Patientinnen aber schon eine sehr hohe Gewissheit, dass die behandelnden Ärzte genauestens die vorgegebenen Leitlinien bei der Behandlung einhalten und eine regelmäßige Prüfung durch die maßgeblichen Fachgesellschaften erfolgt ist.

Wie sichern Sie selbst (in der Klinik und in ihrer Praxis) die Qualität Ihrer Arbeit?

Auch wir lassen uns zertifizieren. Wir sind im weiten Umkreis die einzige Struktur, die sämtliche Elemente der Brustkrebsbehandlung in einem Konzept und an einer Stelle, bis hin etwa zur psychologischen oder palliativmedizinischen Mitbetreuung, vereinen. Dieses Spektrum an therapeutischer Breite gibt es deutschlandweit wiederum nur in einer sehr kleinen Zahl von Zentren. Wir unterziehen uns seit 2004 neben den allgemeinen, regelmäßigen Qualitätsüberprüfungen des Klinikums, etwa nach DIN-ISO, jährlich fachspezifisch denen durch die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Senologie. Wir führen darüber hinaus eigene und externe Patientenbefragungen durch und beteiligen uns an wissenschaftlichen Studien, um unseren Beitrag zur fachlichen Weiterentwicklung zu leisten. Wir legen großen Wert auf eine für jede Patientin ganz individuelle Beratung und Aufklärung, daraus folgend auf ein für die Patientin zugeschnittenes Behandlungskonzept. Die engmaschige Betreuung nach der Operation, die Kompetenz und Weiterbildung aller Kolleginnen und Kollegen im Team, ebenso wie die technische Ausstattung sind gleichermaßen entscheidend. Wir erfüllen hohe Hygienestandards. Qualität besteht aus einer Vielzahl von internen und externen Merkmalen, die sich ständig weiter entwickeln.

Ein Blick in die Zukunft. Die Heilungschancen bei Brustkrebs sind durch Früherkennung und moderne Therapien heutzutage viel größer als früher. Brustkrebs ist kein Todesurteil mehr, auch wenn die Behandlungen zum Teil langwierig und mit Nebenwirkungen etwa durch Chemotherapie verbunden sind. Mit welchen Entwicklungen können wir hier rechnen?

Diese Entwicklungen sind schon in vollem Gange. Die Behandlung wird immer weiter individualisiert und auf die Patienten gezielt ausgerichtet. Beratung, Operation, Systemtherapie, Strahlentherapie, Nachsorge – alles erfolgt zunehmend vor dem Hintergrund der genetischen, biologischen und auch sozialen Faktoren der jeweiligen Patientinnen und Patienten. Es gibt nicht DEN Brustkrebs, jeder Tumor verhält sich anders. Dies ist der aktuelle Schwerpunkt der Therapie. Allerdings bleibt es wichtig, dass Frauen ihre regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, ob beim Frauenarzt oder in der Mammografiereihenuntersuchung, wahrnehmen. Denn je früher Veränderungen festgestellt werden, desto weniger langwierig und umfangreich werden die Behandlungen für die Patientinnen ausfallen und desto größer sind die Heilungschancen.

Autor Katja Pietsch

Ich bin Katja Pietsch. Als Pressesprecherin und Leiterin der Unternehmenskommunikation des Klinikums habe ich schon von Berufs wegen eine Menge mit Kommunikation zu tun. Glücklicherweise ist das aber auch meine Leidenschaft ;-). In meiner Freizeit skate ich gerne um den See.

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