Ein Raum voller Lebensfreude.

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an Krebs. Trotzdem ist Krebs die Erkrankung, die mit Unheilbarkeit und Hoffnungslosigkeit assoziiert wird. Doch dem ist nicht mehr so. Das Deutsche Krebsforschungszentrum berichtet, dass heute mehr als die Hälfte der Krebspatienten  auf eine dauerhafte Heilung hoffen können. Im Vergleich dazu starben noch vor 1980 über 66% der Patienten an ihrer Krebserkrankung.

Trotz der besseren Heilungschancen ist die Behandlung von Krebserkrankungen eine große Belastung für Körper und Seele – nicht nur für die Patienten, auch für die Angehörigen. Nicht selten gehen die Therapien  mit schweren Nebenwirkungen einher. So haben nach wie vor viele Patienten nach einer Chemotherapie mit Nebenwirkungen wie Haarausfall zu kämpfen. Sowohl das Haupthaar als auch Augenbrauen und Wimpern fallen teilweise oder komplett aus. Das führt dazu, dass das Gesicht kontur- und farblos erscheint. Um diesem Eindruck entgegenzuwirken und den betroffenen Frauen ein besseres Lebensgefühl zu geben, bietet die gemeinnützige Organisation DKMS LIFE kostenlose Kosmetikseminare im Rahmen des internationalen Programms „look good – feel better an.

Am Städtischen Klinikum Görlitz haben Patientinnen mit Tumorerkrankungen die Möglichkeit, an so einem professionell geführten Kosmetikseminar teilzunehmen. Ich durfte einmal mit dabei sein und war äußerst überrascht, wie aufgeschlossen und taff die Seminarteilnehmerinnen waren.  Nicht zuletzt hatte Helga Micklich, die Kursleiterin eine Aktie daran. Sie ist gelernte Kosmetikerin, selbst ehemalige Krebspatientin, heute ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der DKMS life und ein Berliner Unikat. Mit viel Witz und Humor begrüßte sie neun Frauen und erfüllte den Raum nach kürzester Zeit mit Lebensfreude.

Gemeinsam mit den Kursteilnehmerinnen packte Helga Micklich die Look good – feel better-Kosmetiktaschen  aus, die mit hochwertigen Produktspenden gefüllt waren und jeder Krebspatientin im Kurs absolut kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Die Frauen waren begeistert und wollten sofort loslegen.

Bevor jedoch Farbe ins Spiel kam,  reinigten alle ihre Gesichter und schminkten sich komplett ab. Das war für mich ein sehr bewegender Moment, weil damit jede Anwesende in diesem Raum auch ihre „Maske“ fallen ließ. Im Anschluss wurde die Haut mit einer Hautcreme gepflegt. Um Augenringe, Hautirritationen oder Hautverfärbungen auszugleichen, trugen die Frauen einen Concealer auf. Nach dem Abdecken kam das Grundieren. Hierfür wurde ein Make-up im Ton der eigenen Gesichtsfarbe aufgetragen. Damit das Make-up möglichst lange hält, puderten die Frauen ihr Gesicht im Anschluss mit dem Gesichtspuder ab. Das danach aufgetragene Rouge verlieh dem Gesicht Frische und ein  frischeres Aussehen.

Soweit so gut, doch im nächsten Schritt wurde es etwas komplizierter. Die folgenden Schminktipps drehten sich um das Auge. Begonnen wurde mit dem Lidstrich, der über dem oberen Wimpernrand aufgetragen wird. „Die noch vorhandenen Wimpern sehen so voller aus, die nicht mehr vorhandenen Wimpern werden auf diese Weise imitiert“, erklärte Helga Micklich. Über dem Lidstrich bis zur Augenbraue wurde nun Lidschatten in einem helleren Ton auf dem inneren Augenlid und in einem dunkleren Ton auf dem äußeren Augenlid aufgetragen. Was danach kam, war absolut spannend. Die meisten Teilnehmerinnen hatten kaum oder gar keine Augenbrauen mehr. Diese wurden nun nachgezeichnet. Ebenso wie ich waren die Frauen sehr begeistert und überrascht, wie entscheidend eine üppig gestaltete Braue für den Gesichtsausdruck und die Mimik ist. Anschließend wurden die noch vorhandenen Wimpern getuscht und wirklich jede Frau im Raum hatte spätestens jetzt einen ganz hinreißenden Augenaufschlag.

Um das Make-up abzurunden und dem Gesicht einen besonderen Ausdruck zu verleihen, kam der Lippenstift ins Spiel, der mit der Farbe des Rouges harmonieren sollte.

(Von links nach rechts: Frau Hirt, Frau Moritz und Frau Nitsche)

Es war großartig zu sehen, wie zufrieden und glücklich die Frauen mit ihrem frischen Make-up waren. Doch Helga Micklich war mit den Kursteilnehmerinnen noch nicht fertig. Aus ihrer Tasche zauberte sie diverse Tücher und Hüte, die sie geschickt um ihren Kopf band, zu Recht zupfte und mit großem auffälligen Schmuck kombinierte. Sofort begannen die begeisterten Frauen die Tipps von Helga Micklich auszuprobieren.

       

(Helga Micklich beim Tuchbinden)

Eine professionelle Zweithaarberatung ist nicht Inhalt des DKMS LIFE Kosmetikseminars. Deshalb besuchte ich gut zwei Wochen nach dem Seminar in Begleitung zweier Krebspatientinnen die Zweithaarpraxis von Ina Krauß, direkt im Städtischen Klinikum Görlitz. Sie berät schon seit 1994 zum Thema Perücken, Haarteile und Toupets.

Jana Rauhut, eine der beiden Patientinnen,  schor vor fast acht Monaten ihre bis dahin schulterlangen Haare komplett ab. Davor hatte sie schon ihre OP und mit der Chemotherapie angefangen. Inzwischen  haben ihre eigenen Haare wieder angefangen nachzuwachsen. Sehr dichte und kräftige Haare hat Jana Rauhut heute. Bis sie so lang sind wie früher, wird es wohl noch etwas dauern. Aber für die Übergangszeit hat Friseurmeisterin Krauß einige tolle Perücken im Angebot. Damit das Haarteil auf den schon nachgewachsenen eigenen Haaren Halt findet, bekam Jana Rauhut eine Kappe aufgesetzt.

(Jana Rauhut in der Zweithaarpraxis bei Ina Krauß)

Anschließend konnte sie zwischen verschiedenen Looks wählen. Ina Krauß zeigte Perücken mit hellen, mit dunklen, mit glatten und mit welligen Haaren. Schnell fand Jana Rauhut ihren Favoriten –  die Perücke mit den langen, blonden Haaren. Sie steht ihr wirklich ausgesprochen gut. Die optische Veränderung ist enorm. Ich konnte ihr ansehen, dass sie nicht nur gut aussieht sondern sich auch gut fühlt.

(Jana Rauhut geschminkt und gestylt.)

Die zweite Patientin, Frau Stoykowa, trägt statt der Perücke lieber Mützen. Auch für diesen Fall  gibt es in der Zweithaarpraxis Krauß eine große Auswahl. Frau Stoykowas „Markenzeichen“ sind ihre rot geschminkten Lippen. Dazu passend probierte sie eine rote Mütze und schaute selbstbewusst in die Kamera.

 

(Frau Stoykowa in der Zweithaarpraxis bei Ina Krauß)

Schwer beeindruckt von den  Frau Stoykowa, Frau Rauhut und den Patientinnen aus dem DKMS LIFE Kosmetikseminar wünsche ich den Frauen, die ich bei meinen Recherchearbeiten kennenlernen durfte, alles Gute für die Zukunft und weiterhin ganz viel Kraft und Lebensfreude!

Zur Information:
Am 30. Mai 2018 findet das nächste DKMS LIFE Kosmetikseminar als ein Baustein von vielen im Rahmen der Tumorbehandlung- und Begleitung statt. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei  Manuela Böttcher, Koordinatorin des Mammazentrums Ostsachsen am Städtischen Klinikum Görlitz. Telefonisch ist sie zu erreichen unter: 03581-373203.

Veranstaltungshinweis Mamma-Café:
“Allein sind wir kraftvoll. Zusammen sind wir stark.”
Am 24.05.2018 um 15.00 Uhr lädt Brustschwester Britt Feister bereits zum 9. Mal zum Mamma-Café in das Konferenzzentrum im Städtischen Klinikum Görlitz (über dem neuen Haupteingang) ein. Es ist ein Nachmittag in lockerer Atmosphäre zum Gedankenaustausch von Brustkrebspatientinnen untereinander und mit Britt Feister – eine Stunde wohltuender gemeinsamer Zeit. Der Eintritt ist frei.

Autor Melanie Freiwerth

Mein Name ist Melanie Freiwerth und als Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation kümmere ich mich um die Veranstaltungen im Haus. Mein Ziel ist es, sowohl unseren Patienten als auch unseren Mitarbeitern den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten. Dafür bin ich immer und überall auf der Suche nach neuen Ideen.

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