Nähen für Frühchen und Sternenkinder

von 1. November 2017Allgemein

Jährlich kommen deutschlandweit ca. 60.000 Frühchen und etwas mehr als 2.000 Sternenkinder auf die Welt[1]. Muttis und Papas von zu früh geborenen Kindern werden in so einer Situation in einem kaum vorstellbaren Maß gefordert. Die einen hoffen auf das Überleben ihres Schützlings, die anderen trauern um ein kleines Wesen, das sich auf den Weg zu den Sternen macht.

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland die Möglichkeit, verstorbene Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm zu beerdigen.  Es gibt jedoch kaum Hosen, Bodys oder Decken für die kleinen Wesen zu kaufen, um ihnen eine würdige Bestattung zu ermöglichen.

Und auch die Eltern von Frühchen wollen ihre kleinen Schützlinge eingekuschelt und geborgen wissen.  Aber auch sie bekommen im Handel nur schwer entsprechend kleine Kleidung. Die Sorge um den Gesundheitszustand des Neugeborenen nimmt selbstverständlich den größten Raum in der neuen Situation, in der sich viele Eltern von Frühchen völlig unvorbereitet wiederfinden ein, aber schöne Kleidung hilft dabei, mit den eigenen Berührungsängsten besser klarzukommen.

Die Näherinnen der Organisation „Sternschnuppen Nähen für Frühchen und Sternenkinder“ wollen den Eltern von Sternchen und Frühchen helfen. Die Frauen der Organisation haben es sich zur Herzenssache gemacht, Frühchen, Sternchen und ihren Eltern etwas Farbe und Licht ins Dunkel zu bringen. Wenn sich die kleinen Kämpfer auf die Reise in unsere Welt machen, beginnt für sie die ehrenamtliche Arbeit. Sie nähen, stricken, häkeln und basteln passende Kleidung oder fertigen Erinnerungsstücke in liebevoller Handarbeit für die kleinen Wunder, welche ihre Eltern lange bangen oder viel zu früh trauernd zurück lassen.

(Näherinnen, der Organisation „Sternschnuppen Nähen für Frühchen und Sternenkinder“)

(Näherinnen, der Organisation „Sternschnuppen Nähen für Frühchen und Sternenkinder“)

Vor gut zwei Wochen lerne ich Anna Stephan, eine der ehrenamtlichen Näherinnen kennen, als sie mir und Ivonne Weber, eine unserer Kinderkrankenschwestern vorstellt, was die Frauen der Organisation „Sternschnuppen Nähen für Frühchen und Sternenkinder“  fertigen können. Anna holt aus ihrer Tasche winzig kleine Mützchen und Söckchen, Wickelbodys und Minihosen heraus. Alle Kleidungsstücke sind farbenfroh, mit kindlichen Motiven bedruckt oder kleinen Details ausgestattet. Schwester Ivonne und ich sind sehr gerührt von den entzückenden Handarbeiten.

Neben den kleinen Anziehsachen, die Individualität aber auch etwas Normalität in den schweren Alltag der frisch gebackenen Eltern von Frühchen bringen sollen, „haben sich aber auch  die Dufttücher bewährt“, sagt Anna. Das kleine Tuch legt sich die Mama auf ihre Haut, bis es den Eigengeruch der Mama angenommen hat. Anschließend bekommt das Neugeborene das Tuch in den Inkubator gelegt, welches sich durch den bekannten Duft der Mama, etwas geborgener fühlen soll.

Um Geborgenheit beziehungsweise etwas Gemütlichkeit geht es auch bei den Decken für die Inkubatoren. Sie dunkeln den Inkubator so ab, dass die kleinen Patienten nicht so sehr vom grellen Stationslicht gestört werden. Weil es viele verschiedene Inkubator-Modelle gibt, misst Anna die Kästen auf Station schnell aus und notiert sich Länge und Breite. Sie möchte sicher gehen, dass die Decken auch richtig passen und den kleinen Schützlingen ein wenig geholfen werden kann.

Auf die Frage, wie das Klinikum oder die Eltern die Gruppe der Näherinnen unterstützen können, erzählt Anna, dass viele ihrer Mitstreiterinnen betroffene Mamas sind, die selbst ein Frühchen oder ein Sternenkind zur Welt gebracht haben. Sie wissen was es heißt, sich zu zeitig vom eigenen Kind verabschieden zu müssen oder um das Leben der Tochter beziehungsweise des Sohnes zu bangen.  Ihnen ist es daher wichtig, das Leid der betroffenen Eltern etwas erträglicher zu machen. Sie wollen helfen und freuen sich über jedes Lächeln, dass eine kleine Mütze oder ein lustiger Strampler mit sich bringt.

Ab November 2017 können Eltern, die im Städtischen Klinikum Görlitz entbunden haben, sich über die Frühgeborenenstation bei den Frauen der Organisation „Sternschnuppen Nähen für Frühchen und Sternenkinder“ melden. Ihnen werden kurzfristig alle benötigten Kleidungsstücke, Tücher oder Schiffchen absolut kostenfrei zur Verfügung gestellt.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Anna Stephan und ihre Näherinnen, die mit enorm viel Eigeninitiative und Fleiß den betroffenen Eltern helfen. Was ihr macht, ist wirklich großartig!!!

[1] Quelle: Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.

 

Autor Melanie Freiwerth

Mein Name ist Melanie Freiwerth und als Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation kümmere ich mich um die Veranstaltungen im Haus. Mein Ziel ist es, sowohl unseren Patienten als auch unseren Mitarbeitern den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten. Dafür bin ich immer und überall auf der Suche nach neuen Ideen.

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  • Felix Kurtze sagt:

    Sehr geehrte Frau Navratiel,
    unser herzliches Beileid zu Ihrem Verlust.
    Wir würden Ihnen den Kontakt zu den anderen Näherinnen vermitteln und melden uns nochmal bei Ihnen.

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