Stillen will gelernt sein. Interview mit Dr. med. Julia Gottschalk von unserer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

von 1. Oktober 2017Allgemein, Mitarbeiter

Vom 2. – 8. Oktober findet die Weltstillwoche unter dem Motto „Stillen unterstützen – gemeinsam!“ statt. Wir wollen von Dr. Julia Gottschalk wissen, warum das Thema „Stillen“ auch mit solchen Aktionen in die Öffentlichkeit gebracht wird. Es ist doch das Natürlichste der Welt. Julia Gottschalk ist Kinderärztin, examinierte Stillberaterin nach IBCLC (International Board Certifed Lactation Consultant) und Mutter von vier Kindern.

Dr. med. Julia Gottschalk, Oberärztin Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Frau Dr. Gottschalk, was sagen Sie Müttern, nicht stillen möchten?
Dass Stillen das Beste für das Kind ist und es kaum einen wirklichen Grund gibt, zur Flaschennahrung zu greifen.

Also wollen Sie sie doch überzeugen?
Natürlich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich vor allem die Frauen gegen das Stillen entscheiden, die zu wenige Informationen darüber haben. Nach der Geburt sind so viele Dinge neu zu erlernen und zu beachten, angefangen vom Wickeln und Anziehen bis hin zur Vorsorge. Der ganze Lebensrhythmus ist anders. Da haben die frisch gebackenen Mütter kein Ohr für lange Erklärungen über die Vorteile des Stillens. Deshalb ist Aufklärung schon in der Schwangerschaft viel effektiver.

Stillen ist das Natürlichste der Welt. Warum muss da überhaupt aufgeklärt werden?
Stillen ist kein Instinkt, der jeder Frau gleich problemloses Stillen ermöglicht. Es ist ein Lernprozess für Mutter und Kind. Genau deshalb ist Stillberatung sehr wichtig.

Was genau macht das Stillen so wertvoll?
Da spielen zwei Faktoren eine Rolle: der Stillvorgang an sich und die Muttermilch. Stillen fördert die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes und es erleichtert den intensiven Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind. Muttermilch ist die perfekte Ernährung, vor allem im ersten Lebenshalbjahr. Sie ist stets auf das Alter abgestimmt, sie wächst sozusagen mit. Sie unterstützt das noch unreife Immunsystem des Babys, deswegen erkranken gestillte Kinder seltener. Stillen reduziert erwiesenermaßen das Risiko für Allergien, Übergewicht, Diabetes und plötzlichen Kindstod.

Wie erfolgt diese Aufklärung?
Über Veranstaltungen, Schulungen, Aushänge und Infomaterial in den Praxen, in der Klinik, bei den Hebammen, in den Stillkursen und so weiter. Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen. Dann ist es für die Mütter auch einfacher, die Vorteile zu sehen, zu genießen und anfängliche Stillprobleme zu meistern.

Dazu passt das Motto der diesjährigen Weltstillwoche auch sehr gut: „Stillen unterstützen – gemeinsam!“
Richtig. Wir schulen zum Beispiel regelmäßig Ärzte und Pflegekräfte im Klinikum, bieten auch externe Fortbildungen für die ambulant tätigen Kolleginnen und Kollegen an. Für die Mütter gibt es auf der Wochenstation eine Stillberaterin oder auch Stillkurse vor und nach der Geburt. Und wir haben eine ausführliche Broschüre erstellt, die anhand von Bildern praktische Anleitungen zum Stillen gibt.

PS: Hier können Sie sich die Broschüre herunterladen:

Stillbroschüre

Autor Katja Pietsch

Ich bin Katja Pietsch. Als Pressesprecherin und Leiterin der Unternehmenskommunikation des Klinikums habe ich schon von Berufs wegen eine Menge mit Kommunikation zu tun. Glücklicherweise ist das aber auch meine Leidenschaft ;-). In meiner Freizeit skate ich gerne um den See.

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