Schmecken Sie umami? – Geruch und Geschmack sind lebenswichtig. Auch bei der Partnerwahl.

von 21. September 2017Allgemein, Mitarbeiter

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das Buch „Das Parfüm“ von Patrick Süskind gelesen habe. Es geht um einen Mann, der mit einem außerordentlichen Geruchssinn ausgestattet ist, aber keinen Eigengeruch hat. Er wird Parfümeur und versucht, Gerüche einzufangen und zu konservieren. Auf der Suche nach dem einzigartigen menschlichen Duft wird er zum Mörder junger Mädchen ….Es ist eine extreme Geschichte von Besessenheit. Besessenheit ist hier ein gutes Stichwort, denn der Geruch eines Menschen und die Verbindung/Sehnsucht/Liebe zu ihm haben viel miteinander zu tun.

„Riechen macht glücklich“ habe ich jetzt in einem Vortrag von Dr. Uwe Strahler, Oberarzt unserer Hals-Nasen-Ohrenklink, gehört.

Dr. Uwe Strahler ist Oberarzt in unserer Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Dieser These lässt sich ganz einfach nachgehen. Mir geht es so beim Geruch von warmen Milchreis, Schokopudding oder Käsepizza. Aber auch den Duft der frischen Luft nach einem Regenguss empfinde ich als großartig. Gerüche sind an Emotionen und an Erinnerungen gebunden. Und jetzt kommt es: Wir haben 10 (!!) Millionen Riechzellen und 350 Zelltypen die uns ermöglichen, 10.000 verschiedene Gerüche zu unterscheiden. (ohje… will man das wirklich?) Im Gegensatz dazu ist unsere Zunge echt langweilig, denn sie kennt nur Süß, Sauer, Salzig, Bitter und Umami. (Umami ist ein Zungenreiz, der auf Eiweißstoffe hinweist und so was wie „fleischig“, „würzig“ meint).

Na, was fühlen Sie, wenn Sie dieses Foto anschauen? Bekommen Sie Appetit?

Neulich fragte mich meine kleine Tochter warum Erwachsene eigentlich immer erst am Jogurt oder anderen Dingen riechen, bevor sie es essen oder benutzen. Scheint ein Automatismus zu sein, denn zumindest mir ist es gar nicht so bewusst, dass ich das tue. Der Grund ist, so Dr. Strahler, der Überlebenswille. Über die Nase können soziale und andere Warnsignale wahrgenommen werden: verdorbene Lebensmittel, verbranntes Essen, Feuer oder Gasgeruch oder ein muffeliger Körpergeruch. Auch die Geschmacksnerven haben diese Funktion: Schärfe etwa ist eigentlich „eine thermische Schmerzempfindung auf der Zunge“. Eine gut dosierte, verträgliche Portion Extra-Chili auf dem Döner hingegen führt zu einer Endorphin-Ausschüttung. Diese Glückshormone bringen einen Lustgewinn und sorgen für bessere Stimmung. Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: „pepper-high“. Da bekommt die Aussage „Jemanden scharf finden“ direkt Substanz 😉

Schlimmer als die Vorstellung zu viel zu riechen ist für mich die Vorstellung, auf Gerüche oder Geschmacksrichtungen ganz zu verzichten. 25 % der Bevölkerung in Deutschland geht es so. Sie leiden unter starken Behinderungen des Riech- und Schmeckvermögens. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Erkältungen, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen, Polypen, Unfälle, Medikamente, Alzheimer, Stoffwechselstörungen. Geschmacksstörungen können zudem durch mangelnde Mundhygiene, durch Alkohol oder Diabetes ausgelöst werden.

Die spannende Frage ist ja, was man dagegen tun kann. Unsere HNO-Klinik arbeitet eng mit dem Interdisziplinären Zentrum für Riechen und Schmecken der Uniklinik Dresden zusammen. Die Mediziner dort forschen viel in diesem Bereich und setzen in der Therapie vor allem auf Riech- und Geschmackstraining. Betroffene können selbst etwas tun, um ihre Sinne zu verbessern oder zu reaktivieren, indem sie regelmäßig mit verschiedenen Gerüchen (2xTag mit 4 verschiedenen Düften) oder Geschmacksrichtungen trainieren.

Und was hat das alles nun mit der Liebe zu tun?

„Die Chemie stimmt“, „Wir können uns riechen“ sind Aussagen, die jeder kennt. Die Forschung hat es längst bestätigt, dass der Eigengeruch des Menschen eine entscheidende Rolle bei der Partnerwahl spielt. Der Geruchssinn arbeitet im Unterbewusstsein. „Der evolutionstechnisch perfekte Partner wird sozusagen erschnüffelt“, sagt Dr. Strahler. Es sollte dann der mit dem größten genetischen Unterschied zu einem selbst sein.

Das klingt so unromantisch wie es offenbar ist, ist aber gut zu wissen. Denn zu viel Parfüm oder das Kennenlernen über das Internet blenden eine entscheidende Komponente bei der Partnerwahl zunächst aus. Und damit es kein böses Erwachen gibt rät unser HNO-Arzt: „Nase auf bei der Partnerwahl“.

Autor Katja Pietsch

Ich bin Katja Pietsch. Als Pressesprecherin und Leiterin der Unternehmenskommunikation des Klinikums habe ich schon von Berufs wegen eine Menge mit Kommunikation zu tun. Glücklicherweise ist das aber auch meine Leidenschaft ;-). In meiner Freizeit skate ich gerne um den See.

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