Girls Day – Was Max Giesinger mit Teenagerschwangerschaften zu tun hat

Der Ohrwurm läuft passend zu unserem “Girls Day” im Radio. Max Giesinger singt:

„Sie fragt sich wie es gelaufen wär‘
ohne Kinder
selber laufen lernen
aber ihr Tag lässt keine Pause zu
sie will träumen, macht die Augen zu“.

Tja, wie würde es denn ohne Kinder laufen?  Am Wochenende ausschlafen nach einer durchgefeierten Nacht. Aus dem Haus gehen ohne an Wechselsachen für die Kinder zu denken, ohne Essen und Trinken für unterwegs mitnehmen zu müssen und natürlich nur mit der Verantwortung für sich selbst. Hört sich verlockend an. Alles wäre ein ganzes Stück entspannter, flexibler und spontaner.

Mit dem Nachwuchs verändert sich das ganze Leben. Deshalb warten viele auf den richtigen Zeitpunkt. Aber wann ist denn der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Schulabschluss in der Tasche, Ausbildung oder Studium geschafft, am besten man hat schon ein paar Jahre gearbeitet, ein bisschen Geld gespart, feste Beziehung sowieso, im Idealfall ist man schon verheiratet und ein gemütliches Nest ist auch schon gefunden.

Mal ganz ehrlich. Das alles im Paket gibt es selten und braucht es auch nicht. Und selbst wenn alle äußeren Rahmenbedingungen für den richtigen Zeitpunkt geschaffen sind, ist „Kinderglück“ nicht planbar.

8-Klässlerinnen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Löbau

Hat man aber noch gar nicht an Kinder gedacht und sich demzufolge auch noch keine gewünscht, ist eine Teenagerschwangerschaft, also eine Schwangerschaft, bei der die Mutter unter 20 Jahre alt ist, eine absolute Herausforderung. Die sehr jungen Mütter empfinden ihre Schwangerschaft oft nicht als Glück. Eher machen sich mit dem positiven Schwangerschaftstest Bedenken und Angst breit. Was sagen die anderen Schüler in der Schule, wenn sie den Babybauch sehen? Schaffe ich meinen Abschluss? Ich wollte doch noch ins Ausland und was werden die Eltern sagen?

Um einer ungewollten Teenagerschwangerschaft vorzubeugen hat das Städtische Klinikum Görlitz vor sechs Jahren den “Girls Day” ins Leben gerufen. Ärzte unserer Frauenklinik engagieren sich in Sachen Aufklärung von Jugendlichen und refereieren für Mädchen ab der 7. Klasse. In der vergangenen Woche begleitete ich Dr. Claudia Reichl, Gynäkologin am Städtischen Klinikum Görlitz, ins Löbauer Geschwister Scholl Gymnasium. Im Biologiekabinett warteten schon 27 Mädchen aus der Klassenstufe 8 auf uns und sie wissen, dass der Unterricht heute etwas anders sein wird als sonst.

Jasmin Schüßler, Celina-Maria Altenburger und Lara Friedrich aus der 8. Klasse

Frau Dr. Reichl begrüßt die jungen Damen, stellt sich vor und dann geht es auch schon los. Sie erklärt den weiblichen Zyklus und an welchen Tagen Frau schwanger werden kann. Sie zeigt diverse Verhütungsmittel von der Pille, über Hormonringe und Stäbchen bis hin zu Spiralen und klärt über den Pearl Index auf, also über die Zuverlässigkeit der einzelnen Methoden zur Empfängnisverhütung. Natürlich können auch Fragen gestellt werden. Erfahrungsgemäß trauen sich die Mädchen das eher, wenn keine Jungs dabei sind. Aus diesem Grund ist der Girls Day auch ganz exklusiv für Mädchen, denn Fragen zum eigenen Zyklus oder ab wann man zum Frauenarzt gehen sollte, sind doch schon sehr privat.

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass mit einer guten Aufklärung einer ungewollten Schwangerschaft vorgebeugt werden kann. Wenig hilft es, wenn Eltern oder Lehrer als Moralapostel auftreten, verklemmt auf Fragen reagieren oder sogar mit Verboten hantieren. Fakt ist, dass Kinder schon im zarten Alter von vier oder fünf Jahren einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen registrieren. Ab dann sollten sich Väter und Mütter auf Fragen zum Thema einstellen.

Neben anderen Faktoren hat auch zeitige Aufklärungsarbeit dazu beigetragen, dass Teenagerschwangerschaften in Deutschland deutlich zurückgehen (Quelle: www.maz-online.de). Das Durchschnittsalter der Erstgebärenden in Deutschland lag 2015 bei 29,6 Jahren (Quelle: Statistisches Bundesamt). Und auch wenn nur sehr wenige mit 29 Jahren +/- schon barfuß in New York waren oder durch Alaska getrampt sind – wovon die junge Mutter in Max Giesingers Lied träumt – ist man inzwischen reifer, verantwortungsvoller und kann sich auf die vielen Veränderungen, die da auf einen warten, freuen.

Autor Melanie Freiwerth

Mein Name ist Melanie Freiwerth und als Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation kümmere ich mich um die Veranstaltungen im Haus. Mein Ziel ist es, sowohl unseren Patienten als auch unseren Mitarbeitern den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten. Dafür bin ich immer und überall auf der Suche nach neuen Ideen.

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