Organspende – Meine Entscheidung für das Leben

Darüber nachgedacht habe ich schon immer mal wieder. Wäre es nicht richtig und auch wichtig sich einen Organspendeausweis zuzulegen, damit im Fall der Fälle einem anderen Menschen das Leben verlängert werden kann?

Vor einem Monat hatte ich selbst einen Verkehrsunfall. Zum Glück nur Blechschaden. Ich wurde nicht verletzt. Es hätte aber auch anders kommen können. 2016 starben in Deutschland 3.208 Menschen nach Verkehrsunfällen (Quelle: www.statista.com).

Nach meinem Unfall hatte ich mich entschieden, mich mit dem Thema Organspende intensiver auseinander zu setzen. Organspende ja oder nein – das ist nicht so einfach. Es gibt so vieles zu bedenken und in Betracht zu ziehen. Ich hänge sehr an meinem Leben und versuche jeden Tag sinnvoll zu nutzen und zu genießen. Gedanken an die Zeit nach meinem Tod spielen da eigentlich keine Rolle. Aber wie an dem Tag meines Unfalls, ändern sich manchmal die Dinge von einer Sekunde auf die andere. Oft ist dann keine Zeit mehr, weitreichende Entscheidungen, wie die einer Organspende, aktiv mit zu gestalten.

Wenn ich vor ein paar Monaten an Organspende gedacht habe, fragte ich mich immer, ob die behandelnden Ärzte, wenn sie wissen, dass ich Organspender bin, alles machen würden, um mich zu retten? Denn rein rechnerisch könnte man mit meinen Organen im Idealfall 3 bis 5 Menschen helfen. Das wäre doch viel effizienter, als nur einem Menschen, also mir, das Leben zu retten. Meine Recherchen haben ergeben, dass ich mir darum keine Sorgen machen brauche. Die behandelnden Ärzte sind dem Wohl der Patienten verpflichtet und Ziel aller medizinischen Maßnahmen ist es, das Leben des Patienten zu retten. Es spielt also für die Notfallbehandlung keine Rolle, ob ich einer Organspende zugestimmt habe oder nicht.

Nun ist es so, dass nur sehr wenige Personen nach einem Verkehrsunfall als potenzielle Organspender in Frage kommen. Die zu spendenden Organe wie Herz, Niere, Lunge oder Leber müssen unversehrt sein und das ist am häufigsten bei Schlaganfallpatienten der Fall.

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um nach dem Tod Organe spenden zu können, hat mir Diplom-Mediziner Thomas Kühnert ganz genau erklärt. Er ist Transplantationsbeauftragter am Städtischen Klinikum Görlitz. Erstens muss der unumkehrbare Hirnfunktionsausfall („Hirntod“) des möglichen Spenders nach der Richtlinie der Bundesärztekammer festgestellt worden sein und zweitens muss der Verstorbene in eine Organspende eingewilligt haben oder die Angehörigen müssen einer Organentnahme zustimmen.

Stellvertretend für das Team des Intensivmedizinischen Zentrums: Die Transplantationsbeauftragten Oberarzt Dipl. Med. Thomas Kühnert (rechts), Manuela Zimmer (vorn rechts) und Cornelia Dutschmann, sowie Oberarzt Matthias Liebig.

 

Da ich mich nun dazu entschieden habe, meine Organe nach meinem Tod zu spenden, ist es mir wichtig, das auch auf dem Organspendeausweis zu dokumentieren. Denn in Deutschland wird man erst mit einer schriftlichen oder mündlichen Willenserklärung zum Organspender. Hat man keine Entscheidung getroffen, werden im Todesfall die nächsten Angehörigen befragt. Meinen Angehörigen möchte ich in dieser schwierigen Situation diese Entscheidung abnehmen.

Ablauf einer Organspende/Kreisdiagramm

 

Im Organspendeausweis hat man neben der Entscheidung ob man Organspender werden möchte oder nicht, zusätzlich noch die Möglichkeit zu vermerken, welche Organe beziehungsweise welche Gewebe entnommen werden dürfen. Den Ausweis selbst kann man sich bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder telefonisch beim Infotelefon Organspende unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 9040400 bestellen. In vielen Arztpraxen und Apotheken liegen die Ausweise auch aus.

Am Städtischen Klinikum Görlitz wurden im vergangenen Jahr 9 verstorbene Patienten zu Organspendern. Insgesamt 27 Patienten konnte dadurch geholfen werden. Genau das ist auch der Grund für meine aktive Entscheidung zur Organspende und mein Ja zum Leben. Denn auch wenn mein eigenes Leben, das hoffentlich noch viele Jahrzehnte dauert, irgendwann zu Ende geht, dann möchte ich mit meinen Organen anderen Menschen helfen.

Weitere Details zum Thema Organspende erfahrt ihr unter www.organspende-info.de oder www.dso.de und auf allen Veranstaltungen am 3. Juni beim „Tag der Organspende“.

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Autor Melanie Freiwerth

Mein Name ist Melanie Freiwerth und als Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation kümmere ich mich um die Veranstaltungen im Haus. Mein Ziel ist es, sowohl unseren Patienten als auch unseren Mitarbeitern den Alltag abwechslungsreicher zu gestalten. Dafür bin ich immer und überall auf der Suche nach neuen Ideen.

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