Demenz als Nebendiagnose – Hilfe für besondere Patienten im Stationsalltag

Am 21. September wird jedes Jahr seit 1994 der Weltalzheimertag begangen. Dieser Aktionstag steht immer unter einem besonderen Motto. Diesmal hieß es „Alt und Jung bewegt Demenz“ – denn Demenz geht jeden etwas an: die Betroffenen, ihre Familien und auch Menschen des näheren Umfeldes.

Auch im Klinikum spielt das Thema eine wichtige Rolle. Für Menschen mit Demenz ist der Aufenthalt in einem Krankenhaus eine persönliche Ausnahmesituation. Sie haben mit dem veränderten Tagesablauf, der fremden Umgebung, den fehlenden vertrauten Personen und dem allgemein schnellen Krankenhausbetrieb viel mehr zu tun, als andere Patienten. Oft sind sie wegen einer anderen Erkrankung wie etwa einem Knochenbruch da – die Demenz steht bei der Einweisung nicht im Vordergrund. Demenz wirkt sich jedoch direkt auf den Krankenhausaufenthalt und alle an der Behandlung Beteiligten aus. Insbesondere die Pflegekräfte sind gefordert, denn sie koordinieren Behandlung, Bedürfnisse, Beschwerden und Tagesgeschäft.

Der Alltag in einem modernen Krankenhaus ist nicht primär auf Demenzkranke ausgerichtet, sondern vielmehr auf kooperative und verständige Patienten. Diese wissen und akzeptieren, dass die Abläufe vom morgendlichen Wecken bis hin zur Körperpflege, den festgelegten Visiten- und Essenszeiten von ihrem normalen Alltag abweichen. Für demente Menschen ist das ungleich schwieriger, wenn nicht fast unmöglich. Hinzu kommt das oft besonders auffällige Verhalten: Hinlauftendenzen, Nahrungsverweigerung, unkontrolliertes Schreien. Die Probleme sind vorprogrammiert, wenn man sie wie die anderen Patienten behandelt.

Wir arbeiten im Klinikum schon seit einigen Jahren an einem Konzept für die Menschen mit einer Demenzerkrankung, damit der Aufenthalt im Akutkrankenhaus leichter wird. Wir sammelten viele Erfahrungen in den letzten Jahren, lernten dazu, probierten und entwickelten passende Konzepte. In fast allen Bereichen haben wir nun so genannte Demenzbeauftragte, die im Umgang mit Demenzerkrankten speziell geschult sind.

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Das sind einige unser engagierten Demenzbeauftragten.

Es sind mittlerweile über dreißig Mitarbeiter aus verschiedensten Abteilungen, die mit viel Feingefühl, Geduld, Überzeugungskraft und dem Mut, auch einmal neue Wege in der Patientenbetreuung zu gehen, auf ihren Stationen und in ihren Bereichen arbeiten. Das A und O dabei ist die Dokumentation. Hier können Gewohnheiten, Ansprechpartner, Einschränkungen und Eigenheiten des Patienten notiert werden, die die Arbeit mit den Patienten für die Pflegekräfte erleichtern. Wenn ich zu einem Patienten, der in seinem gewohnten Umfeld immer mit „Harald“ angesprochen wird, plötzlich „Herr Müller“ sage, dann fühlt er sich nicht angesprochen, er schaut sich womöglich um, wen ich meine. Es kommt zu großer Verunsicherung. Bewährt haben sich auch räumliche Orientierungshilfen (Schilder, Fotos, Bilder…), die speziell und individuell auf die Bedürfnisse von Patienten mit Demenz ausgerichtet sind.

Heute, am Weltalzheimertag, haben wir auf die Situation der Betroffenen und Angehörigen aufmerksam gemacht und konnten eine tolle, generationsübergreifende Veranstaltung erleben: Patienten, Besucher, Mitarbeiter, Physiotherapeuten, unsere Auszubildenden und Kinder aus der Klinikums-Kita „Sonnenkäfer“ waren zu Gast und schauten – generationsübergreifend – dem Puppenspiel „Wo ist mein Ballon?“ von Anne Swoboda zu.

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Ein dickes Dankeschön an alle, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben!

Autor Mechthild Guthke

Mein Name ist Mechthild Guthke. Ich bin gelernte Krankenschwester und seit 2009 als Praxisanleiterin im Klinikum tätig. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen kümmere ich mich um die praktische Ausbildung unserer Pflegeschüler. Zudem bin ich Demenzbeauftragte. In meiner Freizeit gehe ich gern schwimmen, fahre viel Rad und fotografiere gern.

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